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Die häufigsten Fragen an Marion Grillparzer

Hatten Sie schon mal Probleme mit Ihrem Gewicht?

Eines Morgens schlüpft doch jeder Mal in seine Jeans – und flucht... Menschenskinder, welches kleine Monster hat denn da die Hose enger genäht? Erst mal schiebt man es natürlich auf Mutter. Rohrnudeln. Pilze in Rahmsauce mit Knödel... Das Wochenende war einfach zu viel. Im Laufe des Tages krabbelt dann die Erkenntnis hoch. Hallo, wach auf: Du bist über 40. Deine Freundin Babsi hat doch schon prophezeit: „Wart nur, wenn Du erst 40 bist, kannst Du auch nicht mehr essen, was du willst.

Und? Sind Sie die die Kilos wieder los geworden?

Zwei davon hab ich schleunigst vertrieben. Zwei durften bleiben. Weil  diese einfach viel schöner aussahen. Dass man irgendwann  ab 40 ein paar Pfund mehr drauf hat, ist natürlich. Es bewahrt davor, als faltiger Hungerhaken schnell alt auszusehen, schützt vor frühzeitigem Einbruch der Wechseljahre. Und: Ein kleines Energiepolster hilft ja auch, Krankheiten viel besser zu überstehen – aber: das Ganze möchte bitte schon in einem ansehnlichen Rahmen stattfinden und gesund sein.

Ist es also unausweichlich, dass man mit 40 zunimmt?

Nein. Natürlich nicht. Man kann sich Muskeln machen. Auch noch mit 40, auch noch mit 80. Mit jedem Krafttraining wächst die Muskelmasse.  Und jedes Gramm Muskeln verbrennt Fett. Ich habe heute die Muskel- und Fettwerte einer sportlichen 20-jährigen. Das einzige, was man sich klar machen muss, damit man mit 50 nicht aus allen Nähten platzt: Der Stoffwechsel ist halt ein bisschen langsamer, also muss ich mich ein kleines bisschen mehr bewegen – und ein wenig gesünder essen als mit 30.

Was raten Sie allen, die abnehmen wollen?

Es nur zu tun, wenn man es selbst will. Auf alle Fälle täglich mindestens 30 Minuten bewegen - für das Selbstbewusstsein und für die Fettverbrennung. Niemals Hungern, den Körper mit all den Nährstoffen versorgen, die er braucht. Sonst ruiniert man seinen Energie-Stoffwechsel. Diät muss man als "Lebensweise" verstehen – und die sollte glücklich machen. Heute wissen wir aus der Gehirnforschung: Hunger, Verzicht, Frust, schlechtes Gewissen, Unzufriedenheit - jedes negative Gefühl - blockiert über die Stresshormone den Fettabbau. Deswegen rate ich zum Beispiel vom täglichen Wiegen ab, vom Kalorienzählen, vom ständigen Kontrollieren..

Braucht man eine „Diät-Nanny“?

Man braucht Wissen. Man muss wissen, dass Spiegeleier mit Speck weniger auf der Hüfte landen als eine Schüssel Cornflakes mit Milch. Der Weichmacher in der Plastikverpackung dicker macht, als die Sahne im Käse.Man muss wissen, dass der nörgelnde Chef mehr Kalorien auf der Hüfte hinterlässt, als ein Croissant. Und dass dieses keine Katastrophe ist, sondern mit einfachen Regeln wieder ausgeglichen werden kann. Wissen kann man sich aber auch anlesen - zum Beispiel mit der "Diät-Nanny" auf dem Nachtisch. Dazu braucht man einen Freund, eine Freundin. Einen Menschen, der einen immer wieder mal motiviert, manchmal kontrolliert, stets zuhört, ab und an in den Bauch zwickt. Es ist nämlich nicht einfach mit alten Gewohnheiten zu brechen. Vor allem, wenn sie Sofa heißt.

Die Ernährungswissenschaft ist sich ja alles andere als einig darüber, was wirklich gesunde Ernährung ist – was verstehen sie darunter?

Gesund ist - in der Regel - was uns die Natur auftischt: Lebensmittel. Dafür haben wir nämlich ein genetisches Programm. Nur: Wir stehen als Stoffwechsel-Neandertaler im Supermarkt und Tütensuppen und Schlemm-dich-schlank-Dosen wachsen nicht auf den Bäumen. Fertigprodukte sind für mich der Hauptgrund für die massiven Probleme, die wir mit Übergewicht haben. Die liefern keinen Treibstoff, sondern nur Füllstoff - gewürzt mit Dickmachern. "Light" klingt mager, macht Hunger auf mehr. Hefeextrakt. Klingt gesund. Ist Glutamat. Der Geschmacksverstärker macht dick. Naturidentisches Aroma. Klingt gut. Ist Zedernholz. Macht Hunger und dick. Fruchtsüße. Klingt – wie? Lässt die Leber verfetten.
Trotzdem ess ich mein Keks - mit Genuss. Gesund ist für mich die 70:30-Regel. Wenn man sich zu 70 Prozent von dem ernährt, was uns die Natur schenkt, verträgt der Körper auch die 30 Prozent Genussmittel aus der Fabrik. Wir haben nämlich das Glück mit einem gutmütigen Gesellen zusammen zu leben.

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